Familienfreundlichkeit - ein Gewinn für alle
Wir müssen Lösungsmodelle für die Probleme entwickeln, die auf unsere Gesellschaft zukommen. Das weiß die Wirtschaft schon lange. Und immer mehr Unternehmen verbessern mit individuellen und teilweise innovativen Projekten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dabei wird gerne auf Freiwilligkeit gesetzt. Die meisten der DAX 30 –Unternehmen lehnen zum Beispiel eine staatlich verordnete Frauenquote laut einer Umfrage der Frankfurter Rundschau ab. Quote hin oder her: Die Diskussion darum lenkt nur ab von der Tatsache, dass als Voraussetzung für mehr weibliche Führungskräfte, aber auch für die Vereinbarkeit im allgemeinen, die praktischen Rahmenbedingungen verändert werden müssen. Und es ist ja auch fraglich, ob das Problem, weshalb gerade deutsche Frauen so selten auf den Führungspositionen anzutreffen sind, allein durch eine verbindliche Quote gelöst werden kann.
Auf welche Maßnahmen setzen nun moderne Unternehmen, um dieses Ziel zu erreichen?
Der Versicherungskonzern Allianz hat schon seit Jahren Prämien ausgelobt, wenn Geschäftsführer einen Führungsposten mit einer Frau besetzen. Den Girls‘ Day gibt es bereits seit 11 Jahren. Junge Mädchen sollen damit schon früh an eher männertypische Tätigkeiten herangeführt werden. Sogar Teilzeit ist inzwischen für Managerinnen eine Option. Bei Galeria Kaufhof gibt es Frauen, die nach der Elternzeit eine Führungsposition in Teilzeit übernommen haben, wenn auch zeitlich befristet. Dies erleichtert den frühen Einstieg der Mütter, auch wenn das Kind noch kleiner ist. Und hält so die Bindung einer qualifizierten Fachkraft zum Unternehmen aufrecht. Bereits beim Recruiting und der Personalentwicklung sollte die Personalabteilung einen Fokus auf Frauen und deren Potential legen, und diese/s gezielt/er fördern und fordernd.
Hürden beseitigen
Oft ist für Führungspositionen eine Flexibilität und Mobilität gefordert, die gerade junge Mütter nicht erfüllen können. Um diese Hürde auf dem Weg zur Führungsverantwortung zu nehmen, hat die Metro Group, einer der weltweit größten Handelskonzerne, darauf verzichtet, nationale oder gar internationale Mobilität vorauszusetzen. Stattdessen reicht auch schon ein Einsatz an verschiedenen, regionalen Standorten aus. Zufall, dass Chief Human Resources Officer dieser Gruppe, zu der unter anderem auch Galeria Kaufhof zählt, eine Frau ist? Dr. Claudia Schlossberger. Sie hat im Übrigen auch erkannt, dass für die Umsetzung derartiger Maßnahme für die „richtige Stimmung“ gesorgt werden müsse. Ganz genau! Veränderungen setzen immer ein Umdenken voraus, um gelebt zu werden. „Na bitte, geht doch“, möchte man da spontan sagen. Man kann nur hoffen, dass derartige Projekte der Unternehmen „ansteckend“ sind!
Vorab: Es gibt keinen ultimativen Ratgeber für alles
Jede Maßnahme, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördert, muss individuell auf die Bedürfnisse des Unternehmens und dessen Mitarbeiter zugeschnitten sein. Und dabei geht es auch nicht alleine um Frauen. Jedes Projekt beginnt immer mit der Bedarfsanalyse. Hier bedarf es nicht immer einer kostenintensiven und aufwändigen Maßnahme. Eine objektive Bedarfsermittlung mit gezielten Personalmaßnahmen ist somit auch für kleine und mittelständische Unternehmen bereits interessant und stets lohnenswert.
Unternehmen punkten mit Innovationen. Nicht nur bei der Produktentwicklung
Es muss nicht unbedingt eine aufwendige Auditierung sein, um als Familienfreundlicher Arbeitgeber da zustehen. Nicht jedes Unternehmen kann gleich mit einem Betriebskindergarten aufwarten. Schon eine organisierte Ferienbetreuung hilft vielen über Betreuungsengpässe hinweg. Manchmal reicht die Möglichkeit, mit Informationen zu Hilfsangeboten durch einen Informationspool (Intranet, Schwarzes Brett) weiterzuhelfen. Und vielleicht stellt sich auch ein gemeinsamer Mittagstisch für Mitarbeiter und deren Kinder als geeignetes Mittel der Unterstützung heraus? Selbst ein einmaliges „Windelgeld“ als Begrüßung eines neuen Mitarbeiter-Sprosses ist ein positiver Beitrag. Oder wie wär’s mit einem Babysitter-, Einkaufs- und Bügelservice, einem Eltern-Kind-Büro und so weiter.
Kreativität und Individualität sind die besten Ideengeber
Schon kleine Maßnahmen, wie zum Beispiel ein firmeninterner Kindertag, führen den Nachwuchs früh und gezielt an Tätigkeiten heran, die Eltern in der Firma ausüben. Spielerisch mal eine Firma, eine Abteilung oder ein Projekt leiten, kann helfen, die Bereitschaft für die Übernahme von Führungsverantwortung zu fördern. Möglichkeiten, Motivation und Mut sind schon früh zu fördern.
Die größte Hürde besteht im Kopf
„Geht nicht“, hört man als erstes bei innovativen Vorschlägen, um Beruf und Familie besser vereinbaren zu können. Doch hat man diese Kritiker einmal überzeugt, einen Versuch zu wagen, stellen die Meisten fest, dass beispielsweise der Heimarbeitsplatz oder die flexibel gestaltete Arbeitszeit doch besser funktioniert als gedacht. Man muss nur wollen. Die Unternehmenskultur muss sich auf der gesamten Breite verändern. Mut zu Veränderungen setzt immer auch Mut zum Ausprobieren voraus. Und wenn mal etwas so nicht funktioniert, kann man doch nachbessern.
Fest steht: Es gibt intelligentere Mittel als „nur“ eine Quote
Durch innovative Personalmaßnahmen, wie oben beschrieben, erreicht man nämlich viel mehr als nur eine höhere Quote.
Auch das Thema Pflege von Angehörigen wird zunehmend wichtiger. Große Konzerne setzen hier bereits deutliche Zeichen, wenn Mitarbeitern die Freistellung von der Arbeit für bis zu zwei Jahren nach Ablauf der gesetzlichen Pflegezeit ermöglicht wird und die die Kosten für die Sozialversicherungsbeiträge vom Arbeitgeber getragen werden.
Der Spagat: Planbar und flexibel
Bei der Suche nach tragfähigen Konzepten ist zu beachten, dass Familien – wie die Unternehmen auch – verlässliche und flexible Strukturen benötigen, um planbar und den wechselnden Anforderungen entsprechend flexibel handeln zu können. In der Regel wird es sich um zeitliche Spielräume handeln. Das erfordert Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten.
Fazit: Nicht reden, sondern handeln
Gelingt es nicht, die familiären Bedürfnisse der Angestellten mit den betriebswirtschaftlichen Interessen der Unternehmen derart in Beziehung zu setzen, dass beide Seiten davon profitieren, entstehen entweder im privaten Lebensbereich Kosten, die keine Volkswirtschaft tragen kann, oder aber die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens und damit der Volkswirtschaft nimmt Schaden.
Aktiv werden
Wünschen Sie als Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen mehr Unterstützung für Ihre ganz persönliche Work-Life-Balance? Sprechen Sie doch einfach Ihr Personalbüro an. Werden Sie selbst aktiv und reichen Sie Anregungen, Ideen und Wünsche ein. Wünschen Sie weitere Informationen zum Thema, helfe ich Ihnen gerne weiter.
Barbara Witte, www.coaching-witte.de und http://www.bhstraining.de.






