Stress
Geschrieben von: Barbara Witte
Besser ohne - Mach mal Pause!
Heutzutage gehört es für viele immer noch zum guten Ton, gestresst zu sein. Wer keinen Stress hat, der tut auch nichts. Und unter einem sehr hohen Leistungsdruck zu stehen, ist inzwischen weitverbreitet und „normal“. So könnte man denken, wenn man Vielbeschäftigte, Führungskräfte, Hausfrauen, ja sogar Schulkinder hört. Sicher, die Arbeitsverdichtung hat enorm zugenommen. Dazu kommen immer höhere Erwartungen: Vom Chef, von Kindern an Eltern, vom Partner, von der Gesellschaft (Vollzeit-Mutter, Rabenmutter) und nicht zuletzt -an uns selbst. Grenzenlosigkeit ist eine schöne Sache. Sollte man meinen. Doch wo uns nichts mehr begrenzt, ist der Mensch leicht überfordert. Zu viele Entscheidungsmöglichkeiten können Stress verursachen. Deshalb ist es so wichtig, sich selbst klar zu sein, welche Rolle man gerade innehat. Welche Aufgaben gerade anstehen und welche Ressourcen einem für die Bewältigung zur Verfügung stehen. Es gibt viele Studien zum Thema, welches brandheiß ist. Hier nur ein paar Zahlen, die die Notwendigkeit von stressbekämpfenden Maßnahmen nicht mehr in Frage stellen:
- 27 Milliarden Euro im Jahr werden für die Behandlung stressbedingter Erkrankungen ausgegeben.
- 70 Milliarden Euro jährlich kosten die Auswirkungen von stressbedingten Fehlzeiten.
- 80%iger Anstieg von Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen in den letzten 15 Jahren.
- 60% der Fehltage gehen auf Stress zurück (Tendenz: stark steigend).
Diese Entwicklung ist alarmierend und kann nicht auf die sogenannte Burnout-Industrie delegiert werden. Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, Stress in Unternehmen in den Griff zu bekommen. Die Ursachen sind vielschichtig und liegen nie alleine nur bei der Organisation. Doch Studien zeigen immer wieder einen Kreislauf zwischen einem „strukturellen Burnout“, Stress und dadurch verursachten Fehlzeiten auf. Der alte Spruch „Der Fisch fängt am Kopf zu stinken an“, trifft auch hier zu. Der Personalvorstand von MAN stellte einmal in diesem Zusammenhang die Frage: „Sind Vorgesetzte Teil der Lösung oder Teil des Problems?“ Auch eine Studie bei VW hat ergeben, dass Vorgesetzte ihren Krankenstand mitnehmen, wenn sie in eine andere Abteilung wechseln.
Es geht auch ohne
Und trotzdem: JEDER kann etwas tun. Wir können unseren Umgang Miteinander in Management, Unternehmen und auch der Gesellschaft selbst beeinflussen. Und dafür kann man an der eigenen Einstellung arbeiten. Ich bin in erster Linie für mich selbst verantwortlich. Als Mutter oder Vater darf und muss ich auch auf mich selbst achten. So lernt ein Kind zum Beispiel Rücksichtnahme. Und auch eine Führungskraft darf nach der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit (m.a.W.: pünktlich) nach Hause, weil die Familie ruft. LEBEN Sie Vereinbarkeit doch einfach mal vor!
Warten Sie nicht ab, bis Ihr Unternehmen gesundheitsfördernde Maßnahmen einführt. Sie können mehr für sich tun, als Sie denken. Schon alleine Eine-Minute-für-Mich kann eine willkommene und vor allem wohltuende Unterbrechung im täglichen Trott sein. Sind Sie im Büro, schauen Sie doch einfach einmal EINE MINUTE aus dem Fenster, hängen ihren Gedanken nach, beobachten vielleicht ein Blatt im Wind, welches sich einfach so hin- und her wiegt. Oder achten einmal ganz bewusst nur auf Ihren Atmen. Einatmen, Ausatmen, Einatmen…nichts mehr und nichts anderes. Sie werden erstaunt sein, wie effektiv das sein kann. (Das kann man tun, ohne dass es jemand im Büro bemerkt).
Die Welt dreht sich weiter
Die tägliche Anhäufung kleiner Stressoren setzt uns mehr zu als die größeren in unserem Leben! Ist der Stresslevel DAUERHAFT erhöht, reicht dann irgendwann nur ein kleiner Auslöser zum „Ausbrennen“. Und daher sind auch regelmäßige und kleine Maßnahmen sehr wirksam, immer mal wieder diesen Kreislauf zu durchbrechen. (Liegt ein Burnout bereits vor, bedarf es selbstverständlich einer Therapie und weiterer Maßnahmen.)
Burnout-Betroffene berichten mir immer wieder, dass sie nach dem völligen Zusammenbruch und einer langen Phase der Gesundung jetzt wissen, dass sich die Welt auch ohne sie dreht. Das scheint mir die wichtigste und hilfreichste Erkenntnis zu sein. Sie sind entbehrlich! Schön, wenn Sie das frühzeitig merken. Um sich Auszeiten zu gönnen, rechtzeitig Feierabend machen, auch mal NEIN sagen können (als Eltern, als Führungskraft oder als Partner).
Probieren Sie es aus, trauen Sie sich, beobachten Sie, was passiert, und vor allem: Trauen Sie auch den anderen etwas zu. Denn im Umkehrschluss bedeutet ein ständiger Einsatz, dass die anderen ja gar nicht ohne Sie können. Und dem ist nicht so. Hinterfragen Sie sich doch einmal, warum es Ihnen so schwer fällt, Pflichten und Verantwortung abzugeben? Ist es wirklich nur die Angst um den Arbeitsplatz? Kein Unternehmen setzt Mitarbeiter einfach so frei. Schon gar nicht in Zeiten des Fachkräftemangels.
Reden ist Gold, Schweigen ist Silber
Menschen suchen in Problem- und Stresssituationen gerne das Gespräch. Häufig ist Vorgesetzen gar nicht klar, dass ein Mitarbeiter „am Limit“ ist. Warten Sie nicht, bis jemand Sie anspricht, sondern suchen Sie das Gespräch. Sie finden mehr Verständnis, als Sie glauben. Und suchen Sie auch Hilfe bei Kollegen. Gerade sehr pflichtbewusste Mitarbeiter, die nicht delegieren wollen, sind vom Ausbrennen besonders bedroht. Oft ist es gar nicht notwendig, alles alleine zu erledigen. Den meisten Personalverantwortlichen ist inzwischen schon klar, dass eine Topleistung nur bei völliger Einsatzfähigkeit gegeben werden kann. Untersuchungen der Unilever Deutschland haben gezeigt, dass ein mangelndes Wohlbefinden (ohne Arbeitsunfähigkeit!) eine Produktivität von nur noch 50-80 Prozent bewirkt. Mit anderen Worten: Produktivitätsverlust von bis zu 50 Prozent. Das lässt sich umrechnen in wirtschaftliche Verluste. Immer mehr Unternehmen bekennen sich zu ihrer Verantwortung und wissen, dass ihre Mitarbeiter ihr wertvollstes Kapital sind. Und in Zeiten des Fachkräftemangels kann sich ein Arbeitgeber schon sehr gut auf dem Stellenmarkt positionieren, wenn er zum Beispiel ein entsprechendes Gesundheitsmanagement anbietet.
Liebe Unternehmer, liebe Personaler:
Von 1,50 Euro, die Ihre Organisation in die Gesundheit investiert, kommen 5,60 Euro als Ertrag zurück. (Studie der Unilever Deutschland & Harvard Medical School und dem Institute for Health and Productivity Management). Das ist doch ein toller RoI (Return On Invest)!
Achtung, Nebenwirkungen
Eine betriebliche Gesundheitsförderung wird steuerlich gefördert und erhöht Leistungsfähigkeit, Motivation, Wohlbefinden und Lebensqualität Ihrer Mitarbeiter. Und diesen positiven Effekt bekommen Sie schnell zu spüren. Fehlzeiten und damit verbundene Kosten werden bis zu 36 Prozent reduziert.
Passen Sie gut auf sich auf, es tut sonst kein anderer!
| < Zurück | Weiter > |
|---|



